Das Wunder der Christrose
Von Werner Mergner
Erschienen am 24.12.2010 in der Frankenpost
  
  

Bad Steben - Leicht wird er es nicht haben, sich mit seiner Idee durchzusetzen. Zu ideologisch eingemauert ist der Medizinbetrieb in Deutschland, um Querdenkern so einfach freie Fahrt zu geben. Dr. Johannes Wilkens, Oberarzt an der Alexander-von-Humboldt-Klinik in Bad Steben, setzt voll auf eine Pflanze, die auch bei uns zu Weihnachten blüht. Sie sei ideal, wenn es um die Krebsbekämpfung geht.

Bild: Dr. Johannes Wilkens von der Humboldt-Klinik Bad Steben ist sich sicher, mit der Christrose ein wichtiges Medikament gegen den Krebs gefunden zu haben.

 

 

Der Arzt für Klassische Homöopathie und Anthroposophische Medizin ist nicht zuletzt durch seine Misteltherapie europaweit bekannt geworden. Für seine wegweisenden Arbeiten im Bereich der Naturheilkunde erhielt er höchste Auszeichnungen. Nun ist er davon überzeugt, mit der Christrose eine Heilpflanze gefunden zu haben, die Karzinome regelrecht vernichtet. Egal, ob Lungen-, Eileiter- oder Hodenkarzinome: Für Dr. Wilkens sind die Extrakte der Christrose, lateinisch Helleborus niger, die reinsten Wundermittel in der Medizin. Als Beispiel führt er den Fall eines vierjährigen Jungen an, dessen Hirntumor sich nach der Behandlung mit dem Christrose-Medikament völlig zurückgebildet habe.

Doch warum das alles erst jetzt? Immerhin hatte der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, schon vor 90 Jahren auf die Möglichkeiten der giftigen (!) Christrose hingewiesen. Dr. Wilkens bleibt gelassen: "Das ist ganz einfach. Die Zeit ist jetzt erst reif dafür. Das hängt auch damit zusammen, dass es immer mehr ältere Menschen gibt. Die Geriatrie vor allem brauchte ein solches Mittel."

Zweifel an der wissenschaftlichen Absicherung der Wirksamkeit der Christrose lässt der hochrangige Naturarzt nicht gelten. An der berühmten Berliner Charité habe der Arzt Patrick Jesse in der Abteilung Kinder-Onkologie bei Zellversuchen geradezu sensationelle Ergebnisse erreicht. "Es ist eindeutig", versichert Wilkens, "die Christrose wirkt oftmals sogar besser als eine Chemotherapie."

Aber warum und wie hilft eine zweifelsfrei schöne, jedoch vor allem in den Wurzeln giftige Blume gegen Krebs? Die Tests in der Charité hätten ergeben, dass das Zellgift von Helleborus niger den Tod der Krebszellen verursacht, sagt Wilkens. Das Zellgift der Christrose wirke wesentlich härter als die bei der Chemotherapie eingesetzten Mittel.

Bild: Die Christrose, lateinisch Helleborus niger, gehört zur Familie der Ranunculaceae.

 

 

Warum das so sein soll, ist für Menschen, die sich noch nie mit Homöopathie oder auch mit Anthroposophie beschäftigt haben, nur schwer nachvollziehbar. Der in Hof lebende Arzt, der sich auch als Medizinforscher einen Namen gemacht hat, argumentiert lächelnd: "Die Christrose wächst und blüht im Winter, also zur falschen Zeit am falschen Ort und verhält sich somit genau wie der Krebs." Deswegen, so glaubt Wilkens, sei Helleborus niger auch für Demenzerkrankungen genau richtig. "Wir brauchen diese im strengen Winter blühende Rose, wenn Menschen im Winterschlaf erstarrt sind."

Dr. Wilkens, der Mann, der sehr bald in der Münch-Ferber-Villa mit Hilfe des anthroposophischen Gedankengutes die Homöopathie und die Schulmedizin wieder versöhnen will, glaubt, dass die Christrose-Medikamente, die bereits von einer anthroposophischen Firma hergestellt und vertrieben werden, "gewaltige Folgen" für seine Arbeit haben werden. "Wir werden damit die Lebensqualität vieler Patienten steigern und manchen auch heilen können." Die Schwarze Nieswurz, wie die Pflanze in der Volksheilkunde genannt wurde, war ganz nebenbei bereits in vorchristlicher Zeit ein Reinigungsmittel zur Behandlung von Wahnsinn, später wurde die getrocknete und pulverisierte Wurzel bei Hysterie und Nervenerkrankungen verschrieben.

Im Altertum genoss Helleborus großes Ansehen gegen alle Arten von Geisteskrankheiten, fallende Sucht (Epilepsie), Pogadra (Gicht), Schlag- und Wassersucht. Einen begeisterten Befürworter hat sie in Paracelsus als Vorbeugungsmittel gegen die Beschwerden und Krankheiten des Alters gefunden. "Ich möchte mit viel Blättern Papiers seine Tugend nicht beschreiben." Er hat alte Menschen beobachtet, die "flüssig, rotzig, mastig und pludertellig" waren und durch den Gebrauch des Pulvers "sich in ihrer Natur gar erneuert haben". Der Bezug zur Behandlung geriatrischer Krankheiten ist also nicht neu. Rudolf Steiner blieb es vorbehalten, Helleborus erstmals als ein Krebsheilmittel, vor allem bei Magenkrebs, Lungenkarzinom und Ulcus rodens, einzuordnen. Nachdenklich fährt Dr. Johannes Wilkens fort: "So begegnet uns die Christrose - zu einer Zeit, wo die ganze Natur schläft - in der Weihnachtszeit als Lichtbringer in tiefstes Dunkel. Geahnt haben wir es ja schon lange und singen ihr deshalb mit Inbrunst ein Lied zur Weihnachtszeit: Es ist ein Ros' entsprungen."